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you became a story - Valrona Lestrange - 02.06.2026

you became a story
05. September 1977 | ca. 15 Uhr | Flur, Hogwarts | Valrona Lestrange, Alex Brown
Kaum hatte der erste Montag des neuen Schuljahres begonnen, war Hogwarts schon wieder dem neuesten Gesprächsthema verfallen. Valrona kannte den Namen inzwischen auswendig. Alex Brown. Beim Frühstück, später im Gemeinschaftsraum, sogar auf dem Weg zum Unterricht fielen Gesprächsfetzen. Es war erstaunlich, wie sehr Menschen das Scheitern anderer faszinierte. Fast ebenso erstaunlich wie die Tatsache, dass die Gryffindor es geschafft hatte, ein ganzes Schuljahr zu wiederholen. Nicht, dass Valrona deswegen Mitleid empfand. Warum sollte sie? Menschen erfuhren die Konsequenzen ihrer Entscheidungen. So einfach war das.
Mit ihren Arithmetikunterlagen unter dem Arm verliess sie den Klassenraum und liess den Blick über den belebten Korridor schweifen. Stimmen hallten zwischen den alten Steinmauern wider, Schüler drängten sich aneinander vorbei und irgendwo lachte jemand zu laut. Das übliche Chaos eines Schulnachmittags. Die meisten Gesichter nahm sie kaum bewusst wahr. Sie verschwammen zu einer belanglosen Masse aus Uniformen und Hausfarben, bis ihr Blick schliesslich an einer einzelnen Gestalt hängen blieb.

Interessant. Die Beschreibung passte zumindest. Gryffindor. Helles Haar. Allein unterwegs.
Die junge Lestrange verlangsamte ihre Schritte kaum merklich und beobachtete die andere Hexe einen Augenblick lang. Sie hatte erwartet, jemanden zu sehen, der versuchte, sich unsichtbar zu machen. Jemanden, der den Blick senkte, sobald andere Schüler ihn ansah. Doch Alex bewegte sich durch den Flur, als wäre nichts geschehen. Als wüsste die halbe Schule nicht, dass sie nun ein Schuljahr mit Schülern verbringen musste, die eigentlich jünger waren als sie selbst. Entweder besass sie bemerkenswert viel Selbstvertrauen oder erschreckend wenig Selbstreflexion. Beides hatte seinen Unterhaltungswert.

Ein feines Lächeln spielte um Valronas Lippen, während sie den Kurs änderte und direkt auf die Gryffindors zu stürzte. Nicht hastig. Nicht auffällig. Ebenso ruhig und selbstverständlich wie immer. Vor ihr stehend, neigte sie leicht den Kopf und musterte sie mit jener höflichen Aufmerksamkeit, wie Erwachsene sie auf Empfängen zeigten, wenn ihnen jemand unsympathisch war. «Alex Brown, richtig?» Ihre Stimme war weich, beinahe freundlich. Beinahe. «Wir haben nie ein Wort gewechselt, aber du bist schon fast ein Hausgespenst in den Erzählungen hier geworden.» Sie liess die Worte einen Moment zwischen ihnen stehen und bemerkte mit einer gewissen Genugtuung, wie treffend diese Aussage tatsächlich war. Es war schliesslich nicht leicht, innerhalb weniger Tage zu einer der meistdiskutierten Personen in Hogwarts zu werden.

«Das schaffen die wenigsten Schüler gleich zu Beginn eines neuen Schuljahres.» Das Lächeln auf ihren Lippen vertiefte sich kaum wahrnehmbar. «Weisst du, ich muss sagen, Konsequenz hat auch Stil. Die meisten strengen sich immerhin an, ein Schuljahr nur einmal zu überstehen. Lass dich davon bloss nicht beeindrucken.» Ruhig hielt sie Alex' Blick fest. Kein offener Spott lag in ihrer Stimme. Keine sichtbare Boshaftigkeit. Valrona hatte nie verstanden, weshalb manche Menschen glaubten, Beleidigungen müssten laut ausgesprochen werden, um zu wirken. Die schärfsten Klingen waren meist die, die man erst bemerkte, nachdem sie bereits getroffen hatten.



RE: you became a story - Alex Brown - 08.06.2026


 
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Alex hatte den zweiten Schultag in ihrer neuen Klasse überstanden. Sie waren schließlich am Donnerstag angekommen und der erste Unterrichtstag war damit ein Freitag gewesen. Zum Glück. Danach hatte sie erst einmal Ruhe am Wochenende gehabt, denn es machte echt keinen Spaß, alleine wieder in der Fünften zu hocken, wenn sie ehrlich war. Neben den dämlichen Blicken, die sie zugeworfen bekam und das auch von Schülern aus anderen Klassen, gab es genauso dämliche Sprüche darüber, dass sie es geschafft hatte, die ZAG-Prüfungen zu verhauen. Neben Dummheit gab es aber auch die wildesten Theorien. Vermutlich wartete irgendeiner von diesen Trotteln darauf, dass Alex sich mal dazu äußerte, aber sie sah gar nicht ein, dafür zu sorgen, die Neugier der Gaffer zu befriedigen. Sollten die doch rätseln und sie für dumm halten. Alex wusste, dass es nicht so war.
Nun ja, gut, vielleicht war es schon ein bisschen Dummheit gewesen, so wenig Zeit in die Prüfungsvorbereitungen zu stecken oder bei der ein oder anderen Prüfung gar nicht aufgetaucht zu sein. Rückblickend betrachtet, war das schon reichlich dämlich gewesen, aber die Dummheit, die man ihr unterstellte, war es nicht. Sie war durchaus fähig, den Stoff zu können. Auch wenn es nicht danach aussah.

Sie hatte gerade eine Stunde Verteidigung hinter sich gebracht und ging gerade durch einen Gang, sämtliche blöde Blicke oder das Tuscheln ignorierend. Was die Leute vermutlich noch mehr erstaunte, aber was sollte sie machen? Sich verkriechen, nur weil sie neuerdings zum Gesprächsstoff geworden war? Ganz sicher nicht. Alex sah nicht ein, sich anders zu verhalten als zuvor, nur weil die Leute nichts Besseres zu tun hatten, als sich an Klatsch und Tratsch aufzugeilen. Als gäbe es keine anderen Gesprächsthemen wie beispielsweise der Angriff auf die Einkaufsnacht in der Winkelgasse kurz vor dem Ende der Ferien. Oder das Friede-Freude-Eierkuchen-Wir-sind-alle-eine-große-und-glückliche-Familie-Projekt der Schulleitung zu Beginn dieses Schuljahres. Nein. Man musste sich ja das Maul darüber zerreißen, dass sie die ZAG-Prüfungen nicht bestanden hatte und die Fünfte wiederholte.

Offenbar nahm das auch eine ältere Schülerin nun zum Anlass, sie anzuquatschen. Eine Slytherin. „Fragt wer?“, erkundigte sich Alex, denn anders als die Ältere hatte sie nämlich keinen Schimmer, wen genau sie da vor sich hatte.
„Wir können das gerne beibehalten.“ Mal ehrlich. Sie quatschte sie jetzt doch eh nur wegen dieser Sache mit der Klassenwiederholung an. Sonst würde die doch auch gar nicht ihren Namen kennen.
„Ah, da spricht der Neid aus dir. Verstehe. Du wärst gerne das Klatschthema der Schule.“ Sicherlich nicht aus demselben Grund, aber manch einer mochte es ja nicht, wenn man ihm die Show stahl. Alex versuchte währenddessen immer noch herauszufinden, mit wem sie es eigentlich zu tun hatte. Sie musste ein Jahr über ihr sein, also gewesen sein, jetzt waren es zwei Schuljahr, die sie voneinander trennte. Also war sie eine Mitschülerin aus Tylers Klasse. Slytherin. Hmm, ein Name wollte ihr immer noch nicht einfallen.
„Keine Sorge. Beeindruckt mich reichlich wenig.“ Dass die andere durchaus versuchte, sie in irgendeiner Form zu beleidigen, war Alex schon bewusst, aber wieso sie das nicht offen tat, war ihr ein Rätsel. Hatte wohl Schiss von einem Lehrer erwischt zu werden.



RE: you became a story - Valrona Lestrange - 11.06.2026

Für einen kurzen Augenblick fragte sich Valrona, ob Alex Brown tatsächlich glaubte, was sie sagte, oder ob sie sich ihre eigene Wirklichkeit zurechtlegte. Neid. Allein das Wort war beinahe lächerlich. Sie musterte die Gryffindor schweigend, während ein kaum sichtbares Lächeln um ihre Mundwinkel zupfte. Nicht aus Belustigung über einen gelungenen Scherz, sondern aus jener stillen Herablassung, die entstand, wenn jemand etwas offensichtlich Falsches sagte, sodass eine Widerlegung beinahe unnötig erschien.«Natürlich», erwiderte sie schliesslich ruhig. «Das muss es sein.» Ihr Tonfall verriet nicht, ob sie Alex zustimmte oder sich über sie lustig machte.
Vermutlich beides. «Ich habe mich schon gefragt, weshalb ich morgens aufwache und mir wünsche, dass die gesamte Schule über meine akademischen Misserfolge sprechen würde.» Ihr Blick glitt einen Moment über Alex hinweg, bevor er wieder zu ihr zurückkehrte. «Jetzt ergibt alles Sinn.» Die nächste Bemerkung interessierte Valrona deutlich weniger als die Selbstverständlichkeit, mit der Alex sie ausgesprochen hatte. Das beeindruckte sie kaum.

Ein mutiger Satz. Vor allem von jemandem, dessen Name seit Tagen durch sämtliche Korridore geisterte. «Das glaube ich dir sogar.» Ihre Stimme blieb ruhig. «Menschen gewöhnen sich erstaunlich schnell an ihren Ruf. Auch an einen Schlechten.» Das feine Lächeln verschwand nicht.
Im Gegenteil. Es wurde ein wenig kälter. «Allerdings würde ich an deiner Stelle vorsichtig sein, Gleichgültigkeit mit Würde zu verwechseln.» Sie neigte den Kopf leicht zur Seite. «Nur weil es dich nicht beeindruckt, macht das die Situation nicht weniger peinlich.» Die Worte wurden weder scharf noch laut ausgesprochen. Gerade deshalb wirkten sie schwerer. Valrona hatte nie verstanden, weshalb Menschen glaubten, Beleidigungen müssten aggressiv sein. Wer die Stimme erhob, verlor die Kontrolle. Wer wirklich treffen wollte, musste lediglich die Wahrheit aussprechen und darauf vertrauen, dass sie ihren Weg fand.

«Aber vielleicht ist das auch beneidenswert», fuhr sie fort und betrachtete Alex, als wäre sie ein besonders interessantes Studienobjekt. «Dieses Talent, eine offensichtliche Blamage zu erleben und trotzdem so zu tun, als wäre nichts geschehen.» Ihr Blick verharrte auf ihm. Ruhig. Unnachgiebig. «Das erspart vermutlich eine Menge Selbstreflexion.»



RE: you became a story - Alex Brown - 13.06.2026


 
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Der Tonfall der unbekannten Slytherin, die sich im Übrigen nicht einmal dazu herabließ, sich vorzustellen, nachdem Alex gefragt hatte, ließ nicht darauf schließen, ob Alex Recht hatte oder nicht. Letztlich war sie sich dennoch ziemlich sicher, dass das eher Sarkasmus war und sie nicht wirklich neidisch war. Jedenfalls ganz sicher nicht auf den Grund, weshalb Alex zum Gesprächsstoff geworden war und sie nicht, auch wenn Alex immer noch nicht sicher war, ob sie nicht selbst gerne Aufmerksamkeit hätte, wenn auch natürlich in eine andere Richtung.
„Dann bist du jetzt ja endlich schlauer.“ Dass es natürlich totaler Schwachsinn war, was die andere von sich gab, und damit allenfalls immer noch Sarkasmus, war Alex klar, aber wieso sie sich mit so etwas beschäftigen musste, war ihr durchaus ein Rätsel. Nur weil sie die fünfte Klasse wiederholen musste, gab das dieser Slytherin noch lange nicht den Freifahrtschein, um sie damit zu nerven. Hatte sie eigentlich kein eigenes Leben? Vermutlich nicht.

„Ist es dir peinlich oder soll es mir peinlich sein?“, fragte Alex. Also gut, vermutlich sollte es ihr peinlich sein, aber das müsste es ja im Grunde nur, wenn sie wirklich so dumm gewesen wäre, die Prüfungen aufgrund von Nichtkönnen zu verhauen. Alex wusste durchaus, dass sie eben nicht auf den Kopf gefallen war, auch wenn man das jetzt vielleicht auch bestreiten könnte, weil ihr die Prüfungen eben egal genug gewesen waren, um sie zum Teil nicht einmal anzutreten und zum anderen Teil dafür nicht gelernt zu haben.
Was erwartete die denn eigentlich, was Alex jetzt tat? Heulend im Schloss herumlaufen, weil sie die Fünfte wiederholen musste? Dass sie am Ende selbst dran Schuld war, wusste sie auch, wenn sie ehrlich war. Dass sie sich das selbst eingebrockt hatte. Sie war ja am Ende auch genervt von dem Ergebnis irgendwie, denn es war nicht cool, weniger Zeit mit ihren Freunden verbringen zu können, weil die anders Unterricht hatten als sie und sich jetzt auch noch mit vier neuen Mädchen einen Schlafsaal teilen zu müssen, auch wenn diese Bree Jackson ganz cool zu sein schien.

„Womit wir am Ende ja doch wieder beim Neid wären“, bemerkte Alex, als die Slytherin – Name immer noch unbekannt – meinte, ihr Talent wäre vielleicht beneidenswert. Alex hatte keine Ahnung, wie lange sie Gesprächsstoff sein würde. Vermutlich bis sie nächste Sensation kam, an denen sich alle Klatschtanten aufgeilen konnten.
„Und du stehst den ganzen Tag vorm Spiegel und machst dir Gedanken darum, wie du auf andere wirkst?“ Vermutlich. Wieso sonst nahm sie es zum Anlass, Alex anzusprechen und sich darüber auszulassen, dass es Alex reichlich wenig kümmerte, dass sich mindestens das halbe Schloss das Maul über sie zerriss.
„Muss echt anstrengend sein. Bringt dir nur Falten ein, aber die findest du ja vermutlich auch katastrophal.“



RE: you became a story - Valrona Lestrange - 17.06.2026

Je länger Alex sprach, desto mehr gewann die junge Lestrange den Eindruck, dass die Gryffindor ihre eigene Wirklichkeit erschaffen hatte, die sie nun mit bemerkenswerter Entschlossenheit verteidigte. Es war beinahe faszinierend. Jeder Satz schien dieselbe Schlussfolgerung zu ziehen, als gäbe es für dieses Gespräch keine andere Erklärung als Neid. Dabei wirkte Alex nicht einmal besonders überzeugt. Eher wie jemand, der eine Geschichte oft genug wiederholt, bis sie sich wahr anhört. Valrona liess sie ausreden, ohne sie ein einziges Mal zu unterbrechen. Ihre Haltung blieb unverändert entspannt, während Schüler an ihr vorbeigingen und immer wieder neugierige Blicke in ihre Richtung warfen. Einige verlangsamten sogar ihre Schritte. Offenbar war Alex Brown mittlerweile tatsächlich interessant genug, um Zuschauer anzuziehen. Wie unerquicklich.
Als die Gryffindor schliesslich geendet hatte, legte sich für einen kurzen Moment Stille zwischen sie. Nicht unangenehm. Nicht angespannt. Eher die Art von Pause, die entstand, wenn jemand überlegte, ob eine Antwort die Mühe wert war. Ein kaum wahrnehmbares Lächeln erschien auf Valronas Lippen. «Du denkst wirklich, es geht hier um Neid.» Es war keine Frage. Vielmehr eine Feststellung. Ihre grauen Augen ruhten auf Alex, während sie den Kopf ein wenig zur Seite neigte. «Das erklärt tatsächlich einiges.» Der Unterton ihrer Stimme war sanft, fast freundlich und gerade deshalb umso herablassender. «Ich habe mich bereits gefragt, wie man es schafft, eine derart offensichtliche Situation so konsequent falsch zu verstehen.»

Für einen Augenblick glitt ihr Blick über die Gryffindors hinweg. Nicht, weil sie das Interesse verlor. Im Gegenteil. Alex wurde mit jeder Antwort vorhersehbarer, und Valrona musste sich nicht einmal mehr bemühen, es zu verbergen. «Aber vermutlich ist das angenehmer.» Ihre Augen fanden wieder die ihre. «Zu glauben, andere Menschen wären neidisch auf einen, statt in Betracht zu ziehen, dass sie einen schlicht amüsant finden.» Das Wort amüsant sprach sie mit derselben Höflichkeit aus, mit der andere Menschen über das Wetter redeten. «Wobei ich zugeben muss, dass du in einem Punkt recht hast.» Valrona verschränkte die Arme locker vor der Brust. «Ich verbringe tatsächlich nicht viel Zeit damit, mir darüber Gedanken zu machen, wie ich auf andere wirke.» Ein feines Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. «Der Unterschied ist nur, dass ich das auch nicht muss.» Die Worte wurden nicht schärfer ausgesprochen. Sie blieben ruhig. Selbstverständlich. Als wäre es die offensichtlichste Feststellung der Welt und als müsste Alex sich bereits daran messen lassen.
«Du hingegen scheinst einen bemerkenswerten Aufwand zu betreiben, um allen zu beweisen, wie wenig dich das Ganze interessiert.» Sie liess den Blick kurz über Alex wandern. «Dabei redest du inzwischen deutlich mehr darüber als ich.» Für einen Moment betrachtete sie die Gryffindor schweigend. Nicht mit Feindseligkeit. Nicht einmal mit offenem Spott. Eher wie jemand, der bereits entschieden hatte, dass die andere Seite sich selbst entlarvt hatte. Eher wie ein Rätsel, dessen Lösung weit weniger kompliziert war als zunächst angenommen. «Und was die Falten betrifft …» Ihre Stimme wurde beinahe nachdenklich. «Ich denke, darüber mache ich mir erst Sorgen, wenn ich jemals in die Verlegenheit komme, ein Schuljahr wiederholen zu müssen.» Wieder dieses kleine Lächeln. Ruhig. Makellos. Unerträglich höflich. «Bis dahin werde ich das Risiko wohl eingehen müssen.»